„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“: So beginnt eines der bekanntesten Lieder Paul Gerhardts. In zahlreichen Strophen wird die Natur besungen, wie sie sich in der Vielfalt der Schöpfung entfaltet. Überall herrscht reges Treiben, um uns herum ist es bunt und lebendig.
Von der Farbenpracht der Blumen und Blüten ist in diesen Tagen nicht mehr viel geblieben: Die Bäume leuchten noch einmal auf, ihr Laub spiegelt das Gold und Rot der Sonne wider, bis dann die Herbststürme kommen. Die Tage werden kürzer, Kälte und Regen machen die Straßen menschenleer.
„Sind nun die dunklen Stunden da, soll hell vor mir erstehen, was du, als ich den Weg nicht sah, zu meinem Heil ersehen“ – Jochen Klepper, wie Paul Gerhardt einer der großen Lieddichter, schrieb diese Zeilen unter dem Eindruck besonders dunkler Zeiten.
Uns begegnet in seinen Texten eine andere Form von Freude: Wenig dringt von ihr nach außen. Fast unmerklich ist ihr
Wachstum: In der stillen Abgeschiedenheit, unter der Oberfläche beginnt es.
Um tiefe Freude zu entwickeln, braucht es inneren Frieden, braucht es viel Zeit und Geduld. Vor dem Aufblühen
kommt das Aufnehmen, vor der Entfaltung die Konzentration. Das Wunder des Sommers nimmt hier seinen Anfang:
Wie die Saat, die auf den abgeernteten Feldern ausgebracht wird und lange unseren Blicken verborgen bleibt. Vertrauen wir auf die Kraft des Schöpfers, wenn wir in dieser Zeit den Weg nicht sehen:
Nutzen wir diese Zeit, uns auch einmal zurückzuziehen, stille zu werden und neue Kraft zu gewinnen. Auch diese Zeit ist gesegnet, auch sie ist ein Geschenk, das uns heilsam die Augen öffnen kann.