Paradiesblumen

Blauer Himmel, die Sonne lacht – aber die Arbeit erledigt sich nicht von allein! So sitze ich oft länger als mir lieb ist am Computer und lasse manchen Sommertag verstreichen, ohne in der Natur gewesen zu sein.

Ein kleiner Trost ist mir mein kleiner Balkon: Blicken Sie nachher beim Verlassen der Kirche mal nach oben, dann sehen Sie ihn gleich gegenüber!

Auf die Milde der Eisheiligen hoffend beginne ich schon kurz nach Ostern allerlei Pflanzen in das Hochbeet zu setzen und Töpfe an das Balkongitter zu rücken: Auf dass da ein kleines Paradies heranwachsen möge, an dem ich mich in gelegentlichen Pausen erfreuen kann.

Der Erfolg ist meist gemischt: Stattliche Stauden verweigern stur ihre Blüte, anhaltend heiße Tage machen grünen Trieben den Garaus, während anfangs Unscheinbares sich unbeirrt ausbreitet und wuchert. Von langer Dauer ist letztlich kaum etwas: Vielleicht wäre ein Balkonkraftwerk vernünftiger?

Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen. (Matthäus 6,28b)

Es ist eine verschwenderische Pracht, die uns in der Natur begegnet – und wir nehmen es für selbstverständlich, dass sie im Kreislauf der Jahreszeiten sich entfaltet und wieder vergeht.

In anderen Bereichen tun wir uns schwerer mit Veränderungen: Wir sehen Beziehungen zu Menschen und die politische Weltlage täglich herausgefordert, fürchten Umbrüche in der Wirtschaft und nehmen schon kleinste Anfragen an unsere Gewohnheiten persönlich.

Wachsamkeit, tatkräftiger Einsatz für die Gesellschaft und Widerständigkeit sind dabei an vielen Stellen geboten, um Disteln und Dornen nicht das Feld zu überlassen. Aber ohne Demut, Gemeinsinn und nicht zuletzt eine Menge Gottvertrauen wird uns kein Paradies auf Erden gelingen: Es hat seine eigenen Gesetze, Zeiten und lebt von dem, was wir allein nicht schaffen und erhalten können.

Wenn wir unsere ausgetretenen Pfade verlassen, alte Vorstellungen und Denkmuster zurückstellen und uns hineinnehmen lassen in die Wunder der Natur, dann werden uns die Augen neu geöffnet – wie bei einem Musikstück, dessen unvertraute Harmonien aufhorchen lassen, oder bei Texten, die an Unerhörtes und Verborgenes rühren.

Gebe Gott, dass auch Ihnen in diesem Sommer ein kleines Paradies erblühe, das Ihnen Freude schenke und eine Ahnung von dem, wieviel mehr uns Menschen geschenkt ist über Hoffen und Verstehen hinaus! Ein gesegnetes Wachsen und Gedeihen wünscht Ihr

Prädikant Christian Weyer

Benachrichtigungen aktivieren Okay, gerne! Nein danke!