Montagmorgen, ich bin mit dem Auto unterwegs. Die Strecke fahre ich jeden Montag, ich kenne jede Straße, jede Kreuzung, jeden Blitzer und jede Ampel – und ich kenne SIE, meine absolute Nerv-Ampel: Sie steht an der Kreuzung Uferstraße – Talstraße in Stuttgart. Vielleicht habt ihr / haben Sie auch schon mit ihr Bekanntschaft gemacht.
Sie ist etwas ganz Besonderes – die Grünphase verdient den Namen nicht, „Phase“ … eher „Grün-Augenblick“. Wenn es 3 Autos durchschaffen, ist es ein guter Tag. In der Rot-Phaaaaaase könnte man ein Buch lesen, alle Primzahlen bis 10 000 vor sich hinsagen (rückwärts!) oder eine komplette Unterrichtseinheit planen. Mache ich natürlich nicht, weil ich jedes Mal auf die Uhr schaue und mich jede Woche wundere – nein ärgere – wie lange ich da noch stehen soll. Mehrmals auf jeden Fall … weil ja nur 2-3 Autos die Kurve kriegen, wenn es grün wird.
Ich habe mir ernsthaft überlegt, einen Umweg zu fahren, damit ich meiner „Lieblingsampel“ an einem Montagmorgen nicht begegnen muss. Wer will schon so in die Woche starten?
Zum Glück bin ich heute keinen Umweg gefahren, denn heute (letzten Montag), da war es ganz anders. Nein, niemand hat an der Ampelschaltung herumprogrammiert. Nein, heute hatten an der Ampel alle ein Lächeln im Gesicht.
Und das kam so: Als ich auf die Ampel zufuhr, waren noch ca. 10 Autos vor mir – ich begann im Kopf zu rechnen, wie lang ich heute mit meiner Lieblingsampel zusammensein würde, da ging ein Mann über die Fußgängerampel. Langsam … klar, ER hat ja lange grün … im Gegensatz zu mir … In der Mitte der Straße blieb er aber stehen und drehte sich so, dass er uns in den Autos genau anschauen konnte. Ich schaute ihn verdutzt an.
Und dann … dann griff der Mann in die Tasche und holte drei bunte Jonglierbälle heraus und begann zu jonglieren. Ich schaute ungläubig nach vorn, dann nahm ich meine Mundwinkel wahr, die sich jetzt unaufhaltsam noch oben bewegten, zu einem Lächeln, das tief aus meinem Inneren kam.
Wie schön! Die bunten Bälle folgen linksrum und rechtsum, höher und tiefer, hinter dem Rücken nach vorn, unter dem Bein durch … ein wahrer Künstler. Er blickte immer wieder zur Fußgängerampel. Und als sie auf rot sprang, ging er an den Straßenrand zurück.
„Zum Glück haben es nur zwei Autos über den Grün-Augenblick geschafft“, dachte ich … Es wurde wieder rot, ich stand jetzt ein Stück weiter vorn … kein Blick auf die Uhr, kein genervtes Trommeln auf dem Lenkrad. Sondern: Ein Blick zum Fußgängerüberweg … denn der Mann ging wieder in die Mitte und jonglierte weiter … und dann ein Blick ins andere Auto auf der Spur neben mir: Auch hier ein fröhliches Lächeln, ein entspanntes und gebanntes Nach-vorn-Blicken.
Wir zwinkerten uns kurz zu, aber dann mussten wir beide dem Jongleur einfach weiter zusehen.
Ich war noch nie so froh, vier, in Worten VIER, Rotphasen an dieser Ampel zu verbringen. Als es dann doch unvermeidlich war, jeder sieht doch mal die grünen Lichter der Ampel … fuhr ich erfreut und winkend um die Kurve.
Und in mir hörte ich:
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein! (Ps 118,25)