Glücksbringer

Das Leben birgt manche Überraschungen: Kaum etwas ist völlig vorhersehbar und berechenbar, „shit happens“, und dann kommt auch noch Pech dazu – das lernen wir von Kindesbeinen an. Für mehr Hoffnung, mehr Vertrauen auf etwas Glück führen manche Menschen daher einen Talisman mit sich:

Meist ist es ein einfacher kleiner Gegenstand oder ein Andenken, das mit positiven Erinnerungen verbunden ist und so unsere Zuversicht stärkt – auch ohne große Erwartungen an nennenswerte Zauberkräfte: So ein Glücksbringer lässt sich gut in die Hand nehmen und ist immerhin besser als nichts!

Reich an Symbolen, Erinnerungen und besonderen Gegenständen sind auch die Kirchen – nicht nur Architektur und sakrale Kunst, auch ihre Sprache, ihre Lieder und Musik sind oft voll von Andeutungen und Verknüpfungen. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff „Religion“ bedeutet genau dies: Wieder auflesen, zusammenführen, verbinden.

Abergläubische Vorstellungen gab und gibt es dabei sowohl bei manchen religiösen wie auch vermeintlich aufgeklärten Menschen: Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist vielerorts sehr wirkmächtig, gerade wenn wir mit unserem Latein am Ende sind.

Doch Gott ist kein Zauberer und der Glaube nicht etwas, das man sich in die Tasche stecken kann. Es ist vielmehr eine ständige Aufgabe – das Ankämpfen gegen Vergessen und Gleichmut, das Aufbrechen aus starren Gewohnheiten, das Ausstrecken nach dem, was jenseits unseres Horizontes liegt.

Das Gebet hält uns genau dazu an: Es ist in seinem eigentlichen Charakter ein Dialog mit Gott, zugleich mit unserem Nächsten und uns selbst. In Worte gefasst, in Hoffnung gekleidet, mit widerstrebenden, unklaren Gefühlen durchsetzt führt uns das Gebet weg vom Wunschdenken hin zu einer größeren Wirklichkeit. Erst in ihr wird uns bewusst, was das Leben ausmacht, was Glück bedeuten kann, wovon unser Zweifel sich nährt und worin wir Erfüllung finden.

Gelesene oder im Gottesdienst gehörte Gebete mögen nicht immer Anklang bei uns finden: Dann hilft der Blick ins Gesangbuch oder z.B. in die Psalmen, sich ansprechen und bewegen zu lassen. Berührende Worte sind wertvoll – und besonders kostbar, wenn sie aus unserem eigenen Herzen kommen, ja vielleicht sogar frei von den Lippen gehen im gläubigen Vertrauen darauf, dass Gott uns hört.

So soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein:
Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen,
sondern wird tun, was mir gefällt, und
ihm wird gelingen, wozu ich es sende. (Jesaja 55)

Eine erfüllte Sommerzeit wünscht
Prädikant Christian Weyer

(Andacht zum Orgelsommer 2026 in der Johanniskirche Plauen/V.)

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