Nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern wir heute das 4. große Fest der Christenheit – Trinitatis, das Dreieinigkeitsfest. Nun gut, ich muss zugeben, dass wohl die wenigsten von uns heute so feiern wie an Weihnachten oder Ostern, aber dennoch gehört es zu den großen Festen im Kirchenjahr – und alle Sonntage, die jetzt folgen, werden als „Sonntage nach Trinitatis“ benannt.
Es geht um viel bei diesem Fest – nämlich um den Glaubenssatz, dass wir an einen Gott glauben, der in drei Personen, als Vater, Sohn und Heiliger Geist in Erscheinung tritt.
Vielleicht nehmen wir das mit einem mehr oder weniger interessierten Schulterzucken hin, aber die Frage ist äußerst spannend und in der Frage, wie es mit den drei Personen Gottes denn aussieht, steckt viel Sprengstoff drin.
Daher machen wir uns mal auf die Reise in die alte Kirche, also in das 3. und 4. Jahrhundert und schauen mal, was da so mit durchaus harten Bandagen diskutiert wurde.
Das Bekenntnis, dass Gott dreieinig ist, also ein Gott in drei Personen, wurde im 4. Jhd. in einem Bekenntnis festgelegt, dass den griffigen Titel trägt: Nicäno-Konstantinopolitanum. Es dauerte aber lang, bis dieses Bekenntnis feststand.
Der Streit zog sich jahrzehntelang hin, von 325 bis 381 und gestritten wurde um die Frage, wie die Person Jesu Christi und die des Heiligen Geistes theologisch zu deuten sind.
Daher also: Vorhang auf für den sogenannten „Arianischen Streit“, benannt nach einem der Hauptkontrahenten: Der Presbyter Arius aus Alexandrien vertrat 318 die These: „Es gab eine Zeit, in der er nicht war“ (ἦν ποτε ὅτε οὐκ ἦν). Damit ist der Logos gemeint, das Wort Gottes, wie Jesus im 1. Kapitel des Johannesevangelium bezeichnet wird: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“.
Das heißt, dass Jesus schon vor seiner Zeit hier auf der Erde bei Gott war, also schon vorher existierte. Das nennt man Prä-Existenz. Aber die Frage war: Gab es ihn dadurch also schon immer, ewig, so wie Gott? Arius sagte: Nein. Der Sohn Gottes ist ein Geschöpf – das erste und beste zwar, aber ein Geschöpf.
Was sich vielleicht auf den ersten Blick nicht so tragisch anhört, war aber eine wirkliche Provokation: Wenn Christus ein Geschöpf ist, wie kann er dann die Menschheit erlösen?
Mit seiner Aussage brachte er deshalb die Bischöfe in Aufruhr. Und der Bischof von Alexandrien, Alexander, griff schnell und hart durch: Er warf Arius kurzerhand aus der Kirche raus.
Damit war die Sache aber nicht ausgestanden. Denn Arius hatte im Osten des römischen Reiches einflussreiche Freunde (die sich an dem Theologen Origenes orientierten und daher „Origenisten“ genannt werden). Diese Freunde stellen sich an Arius´ Seite, der Konflikt kocht hoch.
Kaiser Konstantin wiederum fürchtete, sein Reich könnte durch den Streit in zwei Teile auseinanderbrechen. Ein Konflikt zwischen dem West- und dem Oströmische Reichsteil schien sich anzubahnen.
Deshalb berief der Kaiser im Jahr 325 das Konzil in Nizäa ein. Als Abschlusspapier wurde dort das sogenannte „Nizänum“ festgelegt, ein Glaubensbekenntnis, ein Vorläufer des späteren „Nizäno-Konstantinopolitanums“.
Der wichtigste Begriff dieses Bekenntnisses: Der Sohn (also der Logos Jesus) ist „wesensgleich“ (homousios) mit dem Vater. Und dieser Begriff wird später nochmal wichtig!
Es wurde als Bekenntnis also festgelegt: Christus ist „Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen!“ Christus ist also Gott und kein Geschöpf.
Soweit, so einfach, oder? Oder so unsinnig zu diskutieren? Worüber wird hier eigentlich gestritten? Letztlich geht es um die Frage nach der Gottheit Christi.
Für Arius ist klar: Gott ist eine Einheit, ein einzelnes Wesen. Und wenn es nur einen Gott gibt, dann müssen der Sohn und der Heilige Geist diesem Gott irgendwie untergeordnet sein. Und daher ist der Logos auch ein Geschöpf, so Arius.
Für Bischof Alexander von Alexandrien wiederum sind Gott und Logos untrennbar. Für ihn ist die Göttlichkeit Christi der entscheidende Punkt des Christentums! Eine „Unterordnung“, wie Arius sich das vorstellt, würde ja bedeuten, dass es verschiedene Götter gibt! Und wenn Jesus ein Geschöpf ist, wie kann er dann die Macht haben, uns zu erlösen?
Alexander und seine Anhänger haben also ein ganz anderes Verständnis davon, was Gott ist und in welchem Verhältnis er zu Christus steht als Arius. Nach dem Konzil von Nizäa, bei dem man sich auf das „homousios“ (wesensgleich, Sie erinnern sich) geeinigt hatte, verschwand Arius von der Bildfläche.
Aber – wie könnte es anders sein – damit war der Streit nicht zu Ende. Die Origenisten des Ostens, die Freunde des Arius, traten auf den Plan. Sie befürchteten, dass Christus nun nur noch eine „Erscheinungsform Gottes“ sei – also auch wieder nicht ganz Gott, keine eigene Person.
Und das heißt: Der Streit geht in die zweite Runde. Nun streiten sich nicht mehr Bischof Alexander und Arius, sondern die Befürworter und die Gegner des Nizänischen Glaubensbekenntnisses. Und damit stritten sich jetzt Vertreter des Weströmischen Reiches und des Oströmischen Reiches … eine Sache, die auch dem Kaiser nicht gefiel. Es streiten:
Der Westen:
- Das Konzil von Nizäa hat recht!
- Vater, Sohn und Geist sind zusammen eine Seinsstufe (das nennt man „Hypostase“)
Der Osten:
- Das Konzil von Nizäa hat nicht recht! Origenes hat recht!
- Vater, Sohn und Geist sind drei Seinsstufen (also drei Hypostasen), die Eigenständigkeit jedes der drei wird betont.
Für den Westen hörte sich das an, als würde der Osten drei Götter verehren, für den Osten hörte es sich so an, als würde der Westen die drei Personen Gottes abwerten und nur noch als „Spielarten Gottes“ oder „Erscheinungsweisen“ sehen.
Kaiser Konstantin wollte den Streit schlichten, aber Bischof Athanasius, der Nachfolger von Alexander, leistete erbitterten Widerstand. Denn Athanasius war vom Nizänum mehr als überzeugt, man könnte ihn schon als dickköpfig bezeichnen.
Nach Konstantins Tod wurde der Konflikt noch deutlicher, Ost und West drohten auseinanderzufallen. Konstantins Söhne herrschten mittlerweile in den beiden Teilreichen. Sie waren – wie sollte es anders sein – große Rivalen und unterstützten daher auch die jeweilige theologische Sichtweise, um dem anderen eins auszuwischen.
334 kam es zum Bruch, als in der Stadt Serdika eine Synode abgehalten wurde. Die Synode zerfiel in zwei Lager, die sich gegenseitig exkommunizierten. Und damit ging der Streit in Runde 3 … man versuchte, sich zu einigen.
Es gab mittlerweile wieder einen einzigen Kaiser (Konstantius II). Er wollte sein Reich einen und endlich wieder Ruhe haben. Um dieses Ziel zu erreichen, setzte er ein Dogma, einen Glaubenssatz für das ganze Reich durch, das „homousios“ (die Wesensgleichheit Gottes und Christi), das in Nizäa festgelegt worden war, stand nun wieder auf dem Prüfstand.
Und um die Sache nicht zu einfach zu machen, gab es nun 4 Gruppen, die verschiedene Haltungen zum homousios hatten:
- Altnizäner (Athanasius): Vertreten die Wesensgleichheit (homousios)
- Homöusianer (von homoiusios – ja, ein „i“ kann viel ausmachen!), die eine „Wesensähnlichkeit“ Gottes und Christi vertraten
- Homöer („Wesensgleichheit gemäß der heiligen Schrift“) ohne weitere „Spekulationen“.
- Heterusianer („Wesensungleichheit“) – so ähnlich wie damals Arius.
Der Kaiser förderte die Kompromisslösung der Homöer und legte in einem Dogma fest: Der Sohn ist dem Vater gemäß der heiligen Schrift in allen Dingen gleich! Andere Positionen wurden verboten, der Konflikt politisch erstickt, nicht theologisch entschieden. So war erst einmal Ruhe, aber unter der Oberfläche brodelte es weiter.
Der nächste Kaiser, Julian, wandte sich vom Christentum ab. Und weil das Dogma nun nicht mehr vom Kaiser verteidigt wurde, ploppten die verschiedenen Ansichten wieder an die Oberfläche.
Und damit sind wir in Phase 4 des Streites … es bildet sich die Gruppe der sogenannten „Neonizäner“, die jetzt die Wesensgleichheit im Sinn einer Dreihypostasen-Lehre interpretierten. Nochmal kurz zur Erinnerung:
Im Westen ging man vom Nizänum aus, vertrat das homousios und sagte, Gott wäre eine Hypostase, eine Seinseinheit. Im Osten ging man davon aus, dass Gott Vater, Sohn und Geist drei Hypostasen wären.
Die Neonizäner wollten diese Sichtweisen zusammenbringen. Dabei war Bischof Athanasius beim Diskutieren ganz vorne mit dabei. Er formulierte Grundsätze, auf die sich beide Gruppen einigen konnten:
Beide Lehren sind gleichwertig, wenn dabei Jesus und der Heilige Geist weder eigene Götter, noch bloße Erscheinungsweisen sind.
Die Rolle des Bischofs Athanaius ist also im trinitarischen Streit kaum zu überschätzen. Ab 372 nahmen diese Ideen wiederum drei Gelehrte aus dem Osten, aus dem Gebiet Kappadokien auf. Daher nennt man die auch die „drei großen Kappadokier“. Diese drei bestimmten und definierten alle in der Debatte aufgetauchten Begriffe genau. Und sie kamen endlich, endlich zu der Kompromissformel:
Die Trinität bedeutet: Es gibt ein göttliches Wesen in drei Hypostasen (Seinsweisen). Wie Athanasius und der Westen dachten sie von der Einheit des göttlichen Wesens her, wie die Orgenisten im Osten vertraten sie die Differenzierung der drei göttlichen Seinsweisen.
Diese Definitionen setzten sich schließlich im Jahr 381 auf dem Konzil in Konstantinopel durch. Das Nizänum, das Glaubensbekenntnis vom Konzil in Nizäa 325 wurde modifiziert – und somit gab es das „Nizäno-Konstantinopolitanum“. Dabei wurde nun auch die Göttlichkeit des Heiligen Geistes berücksichtigt.
Letztlich hat sich das Nizänum durchgesetzt, der trinitarische Streit war zu Ende … nicht jedoch die Streitigkeiten darum, wie man sich das vorstellen soll, dass Jesus Gott und Mensch zugleich ist. Aber diesen Streit lassen wir heute auf sich beruhen.
Ein langer Kampf war das, bis sich alle irgendwie einig waren. Und man könnte ja sagen: Warum das alles? War das alles Machtgehabe und Politik? Ist das überhaupt so wichtig?
Nun, in der Alten Kirche hat es zu wahren Aufständen geführt, denn, auch wenn das alles sehr unübersichtlich ist, geht es letztlich um den Kern unseres Glaubens, nämlich:
- Dass Gott ein Wesen ist, das Gemeinschaft will – in sich selbst und mit uns.
- Dass Gott uns seinen Sohn, also sich selbst, auf die Erde geschickt hat, um uns zu erlösen und all das von uns zu nehmen, was seit Adam und Eva zwischen ihm und uns Menschen steht.
- Dass Gott immer bei uns sein will, mit seinem Heiligen Geist, unverfügbar, aber doch nah, unbegreiflich und doch verlässlich.
Und daher ist es gut, dass wir dieses große Fest feiern – Trinitatis! Gott will mit uns Gemeinschaft haben. Dafür nimmt er einiges auf sich! Und uns bleibt – bei allen notwenigen Überlegungen und Glaubensbekenntnissen, letztlich die Erkenntnis: Das alles dient dem Lob Gottes und seiner Ehre. Amen.
(Christine Watermann, Dozentin für Schulseelsorge, Stuttgart)