Taktwechsel

Den Kopf wieder frei bekommen, Abstand gewinnen vom Alltag: Viel Vorfreude und viele Versprechen verbinden sich mit der Urlaubszeit. Ein anderer Takt führt uns zu mehr Gelassenheit und lang ersehnten Gelegenheiten: Lesen, Wandern, Ruhe genießen!

Wie leicht fällt Ihnen die Umstellung? Wann gelingt es, wirklich loszulassen, die Veränderung wahrzunehmen und anzunehmen? Wer ist schon so konsequent, das Handy beiseitezulegen und nur noch die Abendnachrichten zu verfolgen?

Natürlich wollen wir auch im Urlaub verbunden bleiben mit Freunden, Familie und dem Weltgeschehen. Das Gipfelerlebnis lässt uns nicht vergessen, welche Abgründe es gibt, wie oft Angst – um die wirtschaftliche Existenz, um die Zukunft der Kinder, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt – das Leben überschattet.

Wir können noch so viel in unseren Koffer packen, noch so umsichtig planen und uns vorbereiten: Dunkle Gedanken und Sorgen begleiten uns ungefragt überall hin, finden immer Gelegenheit, sich auch vor die schönste Aussicht zu stellen und wichtig zu tun.

Wir können dem nicht entfliehen, wir können einfach nicht aus unserer Haut. Doch wir können uns berühren lassen: Von guten Worten, von Sonnenstrahlen, von Klängen und Kunst.

Es muss gar nicht jenes geheimnisvolle »Zauberwort« sein, das die Welt zum Singen bringt: Manchmal reicht schon das Zuhören, das Stillewerden. Gläubige Menschen sprechen dann von „Andacht“: Sie legen in Gottes Hände, was uns rastlos macht und überfordert.

Kirchenräume sind dafür wie geschaffen: Manche lassen uns versinken in barocker Pracht, manche dienen in ihrer Schlichtheit der Konzentration, andere bieten ganz vielfältige Berührungspunkte.

Sie alle laden ein zu neuen, vielleicht ungewohnten Gedanken. Manches daran mag beeindrucken oder stören, Menschen darin mögen ansprechend, sympathisch oder unangenehm wirken. So oder so – es ist eine Begegnung und eine gute Gelegenheit, Gewohntes und Allgegenwärtiges einmal hinter sich zu lassen.

Die Musik vermag dies auf ganz besondere Weise – Erinnerungen wecken, Sehnsüchte lebendig werden lassen, über sich selbst hinausblicken.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit, Verbundenheit zu erleben – mit Ungewohntem und Vertrautem, mit alten Formen und neuen Anregungen, mit Gottes Gegenwart in dieser Kirche und in unserer Welt.

(Andachtstext für Programmblatt des Orgelsommers 2025, jeden Donnerstag 12.15 Uhr in der Johanniskirche Plauen)